U18 Studenten – die kuriosen Auswüchse von G8

Sep 23, 11 U18 Studenten – die kuriosen Auswüchse von G8

Dass wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft leben, ist kein Geheimnis. Die neuen Bachelor und Master Studiengänge und die G8 Schulreform sind darauf ausgerichtet, einen schnelleren Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Doch welche kuriosen Auswirkungen die verkürzte Schullaufzeit hat, zeigt sich nun zum Start des neuen Semesters daran, dass sich auf dem Campus plötzlich viele Studenten im Alter von unter 18 Jahren tummeln. Für diese minderjährigen Studenten ist allerdings ein gewöhnliches Studentenleben, das geprägt ist von Selbstorganisation, Unabhängigkeit und den ersten Schritten in das eigene Leben, schwer möglich.

Erst mit 18 Jahren erlangt man in Deutschland die Volljährigkeit und bekommt gewisse Rechte eingeräumt. Bis dahin sind, üblicherweise, die Eltern die gesetzlichen Vormünder der Kinder. Im Fall von U18 Studenten bedeutet dies zum Studienbeginn: Der Mietvertrag muss von den Eltern unterschrieben werden, die Nebenjobmöglichkeiten sind stark limitiert, einen Studienkredit dürfen sie nicht selbständig aufnehmen und sogar zur Einschreibung an der Uni muss die Mutter oder der Vater mitkommen. Es geht aber noch grotesker. Denn streng genommen dürfen die U18 Studenten nicht mal einen Bibliotheksausweis selbst beantragen oder frei an den Universitätsservern arbeiten. Denn es müssten in diesem Fall eigentlich spezielle Sperren an den PCs angebracht werden, damit die jungen Studierenden keine Seiten mit gewalttätigen oder pornografischen Inhalten aufrufen. Die freie Selbstentscheidung der Studenten, immer noch ein Ideal des Studentenlebens, ist wäre stark beschnitten. An den meisten Universitäten werden solche Problemfelder jedoch durch eine vorab unterschriebene Erlaubniserklärung der Eltern abgewendet.

Aber auch jenseits der bürokratischen Hürden können Probleme entstehen. Es stellt sich nämlich auch die Frage, ob die sehr junge Studentengeneration von den älteren Studierenden akzeptiert wird? Viele ältere Studenten sehen die Neuankömmlinge womöglich noch als „Kinder“ an, müssen sie doch auf Partys sogar noch kontrolliert werden, damit ihnen keine alkoholhaltigen Cocktails ausgeschenkt werden. Auch der große Unterschied zwischen Universität und Schule kann gerade die jungen U18 Studenten überfordern. Die Massenveranstaltungen, die Organisation des Studentenplans, der viele Lehrstoff oder die Größe einer Universität können für viele junge Studenten noch erschlagender wirken als für Studenten die erst mit Anfang 20 an die Universität kommen.

Noch vor dem 18. Lebensjahr an die Universität? Kann das gut gehen? Auf diese Fragen kann wohl nur die Zeit eine Antwort geben. Fest steht, dass U18 Studenten ein weiterer Auswuchs aus der Leistungsgesellschaft sind. Und zwar einer, dem man nicht unkritisch gegenüberstehen kann.

Bild: aboutpixel.de © Uwe Dreßler

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