Top oder Flop – Das Deutschlandstipendium

Okt 05, 11 Top oder Flop – Das Deutschlandstipendium

Das Wort „Eliten“ hört man in Deutschland gar nicht gerne, verbindet man damit doch negative Assoziationen aus der Geschichte des Landes. Und vielleicht ist das auch der Grund, weshalb es in Deutschland anders als in anderen Ländern – USA, Großbritannien, Frankreich – im Grunde keine wirklichen „Elite-Universitäten“ gibt, aber auch nur eine geringe Anzahl an Stipendienprogrammen für besonders leistungsstarke Studenten. In Deutschland, wo die Studiengebühren in den meisten Bundesländern wieder abgeschafft oder – noch besser – gar nicht erst eingeführt wurden, sind Studiengebühren in Ausmaßen von mehreren Zigtausend Euro wie in den USA zum Beispiel durchaus üblich, zum Glück noch fernab der Vorstellungen. Nur in manchen privaten Hochschulen muss man schon einiges an Gebühren abdrücken.

Zur finanziellen Förderung aus staatlicher Sicht hat sich das BAföG-System etabliert. Dieses soll garantieren, dass das Studium eben nicht den „Eliten“ – in diesem Fall den finanziell gut gestellten Abiturienten – vorbehalten sein soll, sondern jedem der Zugang zur universitären Bildung ermöglicht wird. Förderungen für leistungsstarke Studierende sind über die Studienstiftung des deutschen Volkes und einige politische, kirchliche, soziale und private Stiftungen möglich. Doch die Zahl der Studenten, die sich über ein Stipendium finanzieren, ist verschwindend gering.

Bildungsministerin Annette Schavan hat im vergangenen Jahr ihr Prestigeprojekt „Deutschlandstipendium“ ins Rollen gebracht, das einer breiteren Masse den Zugang zu einem Stipendium erleichtern soll. Doch das Programm, das im kommenden Jahr sogar noch weiter aufgestockt werden soll – nämlich um 267 Prozent auf 36,7 Millionen – steht vor allem von Seiten der SPD in der Kritik. Denn bislang wurde mehr Geld für die Bewerbung des Projektes ausgegeben als für die finanzielle Unterstützung der Studierenden. Über Schavans Plan soll nun diskutiert werden.

Im Grunde ist die Idee Studierende, die im Studium besonders gute Leistung erbringen finanziell so zu unterstützen, dass sie das Geld nicht mehr zurückzahlen müssen, gut. Doch die Ausführung stimmt leider hinten und vorne nicht. Manche Universitäten beteiligen sich gar nicht an dem Programm, an anderen Universitäten findet man für die Anzahl der bewilligten Stipendienplätze keine nötigen Partner aus der Wirtschaft – denn die Stipendien sollen halbe-halbe von Staat und Wirtschaft finanziert werden – und außerdem sind wirtschaftsfernere Studiengänge bei der Auswahl der zu vergebenden Stipendienplätze natürlich sehr benachteiligt. Warum das Budget weiter erhöht werden soll, obwohl von den bislang eingeplanten 10 Millionen noch nicht einmal 1,5 Millionen Euro abgerufen wurden, bleibt da unklar. Möglicherweise sollte das Konzept vorher noch einmal überarbeitet werden. Eine Möglichkeit bestünde ja beispielsweise darin, dass der Staat die 300 Euro, die monatlich an die ausgewählten Studenten gezahlt werden, komplett trägt und die Anzahl der Stipendien dafür gleichmäßig auf alle Studiengänge aufgeteilt wird.

Bild: aboutpixel.de © Rainer Sturm

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