Studenten vs. Senioren – Wer bekommt die besten Plätze?

Nov 11, 11 Studenten vs. Senioren – Wer bekommt die besten Plätze?

Vormittags, 11 Uhr 30 an der Universität Köln: Eilig hasten einige Studierende über die langen Gänge des Hauptgebäudes auf der Suche nach ihrem Seminarraum. Sie kommen mit dem Fahrrad aus einem vorangegangenen Seminar an der zehn Minuten entfernten Erziehungswissenschaftlichen Fakultät und müssen sich beeilen, um pünktlich ihre nächste Lehrveranstaltung zu erreichen. Nachdem sie endlich die Tür zum Seminarraum geöffnet haben, müssen sie feststellen: Der Raum ist völlig überfüllt, die einzig freien Plätze findet man nur noch auf dem Boden unter dem Pult der Dozentin. Da sitzt man nun zu den Füßen der Professorin und muss mit einem Blick in die Runde feststellen, dass es doch noch einige Menschen gab, die einen der heißbegehrten Stühle ergattert haben. Darunter einige mit weißem Haar.

An den Universitäten nimmt die Zahl der Seniorenstudenten jährlich zu. Mit mehr als 18.000 Studierenden machen Senioren über 60 inzwischen die Hälfte der Gaststudenten aus. Doch nicht immer wird das nur unkritisch gesehen. Gerade an den Massen-Unis beschweren sich die jungen Studierenden, dass die Senioren ihnen etwas voraus hätten: Sie seien immer pünktlich und säßen immer in der ersten Reihe. Gaststudenten nehmen schließlich nicht am kompletten Uni-Alltag teil und haben so die Möglichkeit zu den Veranstaltungen, an denen sie teilnehmen, in aller Gemütlichkeit einzutrudeln. Die Jungen finden, die Alten nähmen ihnen die Plätze weg.

Doch hier kommt eine entscheidende Frage ins Spiel: Was ist das Ideal der Universitäten?. Geht es hier um die Ausbildung junger Menschen, deren beruflicher Weg noch vor ihnen liegt, damit sie in der Wirtschaft funktionieren? Oder ist die Universität ein Forum für Gedanken und Erkenntnisse, die sicherlich vielfältiger ausfallen, wenn mehrere Generationen sich gegenseitig in Diskussionen befruchten?

In Frankfurt am Main gibt es bereits seit 2005 das neue Konzept der Universität des dritten Lebensalters. Hier erhalten Senioren über einen kostenpflichtigen Verein ein eigenes Seminarprogramm, das auch auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Das Angebot wird positiv angenommen. Es stellt sich aber die berechtigte Frage, ob diese Abgrenzung Sinn des gegenseitigen Wissensaustausch ist oder man dann nicht gleich einen Volkshochschulkurs belegen sollte. Mit einem konsequent durchgesetztem System, das Seniorenstudierende zu den Seminaren zulässt, die nicht ohnehin schon von Überbelegung und Platzmangel gebeutelt sind, könnten beide Seiten voneinander profitieren. Die jungen Studenten von der Lebenserfahrung der älteren und die älteren von der neuen Perspektive der jungen.

Bild: pixelio.de © Michael Groß

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