Studenten im Vereinigten Königreich: ”There‘s a lot to think about…“

Aug 31, 11 Studenten im Vereinigten Königreich: ”There‘s a lot to think about…“

Die letzten Demonstrationen und Aufstände in London, Birmingham und anderen Großstädten im Vereinigten Königreich haben die britische Gesellschaft aufschrecken lassen. Prügelnde Jugendliche, brennende Stadtviertel und überfahrene Ladenbesitzer stehen auf der Bilanz der tagelangen Auseinandersetzungen mit den britischen Ordnungshütern.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig und können nicht anhand der jüngsten Anhebung der Studiengebühren festgemacht werden. Nichtsdestotrotz habe ich Kontakte auf die Insel aufgewärmt und nachgefragt, was sie vom Anstieg der Studiengebühren halten, wie sie diese persönlich beurteilen und wie sie das Leben an der Hochschule bewerten.

Lydia und Becky hat es aus dem beschaulichen Shrewsbury an der walisischen Grenze, in die Hauptstadt Schottlands, nach Edinburgh gezogen. Dort liegen die Studiengebühren bei £ 1.820 jährlich, umgerechnet 2.070 €. Schottland verlangt für einheimische Studierende keine Gebühren, kann aber für nicht-schottische Bewerber wie im übrigen Vereinten Königreich £ 9.000 verlangen. Dennoch verweist der English Student Finance Service darauf, dass selbst ein Medizinstudium in Schottland maximal zwischen £1.820 und £2.895 kostet. Der English Student Finance Service stellt für weniger finanzkräftige Studentinnen und Studenten die Studiengebühren und ist daher mit der deutschen KfW-Bank vergleichbar. Auch Lydia und Becky müssen trotz der „geringen“ Gebühren auf den English Student Finance Service zurückgreifen. Darüber hinaus greifen sie auf ein Maintenace Loan – vergleichbar mit dem BAföG – zurück, womit sie Essen und Kleidung bezahlen; die Miete wird von den Eltern beglichen.

Während des Sommers hat Lydia zwei Nebenjobs und versucht demnächst einen längerfristigen Studentenjob zu finden. Sie denkt, dass man zwar hohe Schulden nach der Uni haben wird, dies aber in Ordnung geht, wenn man das zukünftige Gehalt betrachtet. Zudem sind die Zuwendungen vom English Student Finance Service umso höher, je geringer das eigene Kapital oder das der Eltern ist. Außerdem haben die Schulden keine Auswirkungen auf zukünftige Kredit- und Hypothek-Anfragen bei Banken. Ihrer Meinung nach versucht die Regierung ihr Bestes, um die momentane Rezession zu meistern. Jedoch kann Becky aus ihrem Freundeskreis zahlreiche Beispiele nennen, die die hohen Gebühren und die daraus resultierenden Schulden nicht auf sich nehmen wollten und deshalb kein Studium begonnen haben.

Michael sieht die Situation mit gemischten Gefühlen. Obwohl auch er von einem Loan, Ersparnissen und von seinen Eltern lebt, denkt er, dass es gut ist, eine universitäre Ausbildung in Angriff zu nehmen. Akademiker verdienen während der gesamten Arbeitszeit durchschnittlich £ 100.000 mehr als Nicht-Akademiker. Allerdings beträgt die finale Summe nach einer Studienzeit von drei Jahren mit den gestiegenen Studiengebühren und Lebenshaltungskosten bereits £ 50.000 und macht eine Hochschulbildung nicht gerade attraktiver. Andererseits werden Hochschulabsolventen bei sinkenden Bewerberzahlen wiederum wertvoller und unter Umständen stärker nachgefragt.

Sophie, die in der walisischen Küstenstadt Aberystwyth studiert, verfügt über ein Stipendium und ein Loan, geht aber auch noch nebenbei arbeiten. Sie genießt ihre Studienzeit und findet die Veranstaltungen in der Uni hervorragend. Dennoch machen ihr vor allem die restlichen Umstände Kopfschmerzen. Nicht nur dass sie den ganzen Sommer arbeiten musste, hinzu kommt die besonders schlechte Wohnsituation. Die Eigentümer verlangen für viele miserable Unterkünfte überteuerte Mieten und sind nicht willens, Aus- oder gar Verbesserungen vorzunehmen. Im Gegensatz zu Lydia findet sie es heuchlerisch, dass die Politiker vor den Wahlen Anhebungen der Studiengebühren ausgeschlossen haben und nun zu allererst diese erhöhen.

Abigail und Kyle haben es geschafft, an renommierten Hochschulen in England angenommen zu werden. Abigail hat einen Platz in Bristol gefunden und wird ähnlich wie ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen sowohl von ihren Eltern als auch durch ein Loan unterstützt. Dennoch geht sie arbeiten, weil sie einen Auslandsaufenthalt plant und dafür Geld sparen muss. Kyle ist mit seinem Studium schon fertig und war in Warwick. Während seiner Studienzeit, als die Studiengebühren noch niedriger waren, hatte auch er zwei Nebenjobs: als Barkeeper und bei einem Computerhersteller. Auch hier haben Stipendium und Loan nicht ausgereicht.

Auch wenn das Fazit sehr gespalten ausfällt, bleibt eines im Kern stehen: ein Studium im Vereinten Königreich im Vergleich zu Deutschland ist teurer und dadurch auch mit einem höheren Risiko behaftet. Vielen reichen Unterstützungen vom Staat und von den Eltern nicht aus und gehen nebenbei jobben. Diese Umstände können die Freude am Studium aber nicht trüben. Dennoch stellt sich die Frage, ob die erhöhten Gebühren zu einer Vertiefung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen.

Bild: pixelio.de © pan

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