Soziale Netzwerke und wie sie uns übermannen
An manchen Abenden ist man einsam oder langweilt sich zu Hause. Der Partner muss arbeiten, die beste Freundin ist im Urlaub und während man lustlos durchs Internet surft, fällt einem auf, dass es ja eigentlich gar nicht so sein müsste. Schließlich hat man doch 329 Freunde – zumindest laut Facebook. Wenn man dann mal anfängt seine Freundesliste durchzuscrollen, weckt das jedoch schnell Zweifel. Wie sollte eine einzelne Person überhaupt zu so vielen Leuten Kontakt halten? Wen von diesen hunderten Bekanntschaften könnte man denn einfach so anrufen, um sich zu treffen? Freundesfreunde, Bekanntschaften eines feucht-fröhlichen Abends, die man nie wieder gesehen hat, alte Schulkameraden, die man noch nie leiden konnte, unliebsame Arbeitskollegen – alle möglichen Leute tummeln sich in der Freundesliste ohne im engeren, aber auch im weiteren Sinne Freunde zu sein. Und doch bekommt man dank der geposteten Updates ständig mit, mit wem diese Leute letzte Nacht feiern waren, ob sie gerade im Urlaub sind, für die nächste Prüfung lernen oder einfach nur vom aktuellen Wetter genervt sind. Man kann den ganzen Tag damit verbringen, youTube-Videos und Fotoalben durchzuklicken oder, wenn man sich gerade langweilt, mit anderen Leuten chatten, die sich ebenfalls langweilen. Über die Qualität der dabei entstehenden Kommunikation lässt sich vermutlich streiten.
Soziale Netzwerke bieten uns neue Formen des Austauschs, aber auch neue Formen von Kontakten. Dabei sollte jeder für sich entscheiden, ob er tatsächlich möchte, dass diese die alten Formen ersetzen. Viele tendieren inzwischen dazu, ihren Freunden einfach bei Facebook zum Geburtstag auf die Wand zu posten, anstatt mal persönlich anzurufen, geschweige denn vorbeizuschauen. Viele befürchten, dass durch die sozialen Netzwerke unsere zwischenmenschlichen Beziehungen oberflächlich werden und es vor allem immer wichtiger wird, wie man sich selbst mit seiner Online-Persönlichkeit darstellt.
Vielleicht kann man es so sehen: Die sozialen Netzwerke sind nicht schlecht, um ehemalige Freunde, alte Klassenkameraden und Wegbegleiter wiederzufinden, die man im Laufe des Lebens aus den Augen verloren hat. Aber nach dem Adden des neuen Facebook-Freunds sollte man sich doch möglichst schnell „face to face“ im echten Leben treffen und sich in die Augen sehen, während man fragt: Wie geht’s dir eigentlich wirklich?
Bild: pixelio.de © Gerd Altmann
Ähnliche Artikel: