Semesterferien – die notwendige Freiheit
„Studenten haben ja eh nur frei“. So lautet oft das Urteil eines Außenstehenden über Studenten. Studierende erscheinen ein paar Mal die Woche zu einer Vorlesung, schreiben wenige Klausuren und ansonsten können sie ausschlafen und bummeln. Dies sind nur einige der Vorurteile gegenüber Studenten. Dass die Eingeschriebenen im sechsmonatigen Semester auch noch über zwei Monate gar nicht zur Uni müssen, hebt das Ansehen der Studierenden nicht gerade. Ein Studium ist jedoch eine kleine Welt für sich, die für Außenstehende nur schwer zu begreifen ist und nicht so einfach ist, wie sie zunächst scheint.
Das Semester gliedert sich in eine Vorlesungszeit und in eine vorlesungsfreie Zeit, die umgangssprachlich als Semesterferien deklariert wird. In der Vorlesungszeit besuchen die Studenten regelmäßig ihre Seminare, Vorlesungen, Arbeitskurse und Lerngruppen. Die Klausuren werden üblicherweise am Ende der Vorlesungszeit geschrieben und die größte Arbeit ist auf diese kurze Zeitspanne von wenigen Klausurtagen ausgerichtet. Doch werden die Klausuren nicht bestanden, so war die ganze Vorlesungszeit umsonst. Deshalb muss viel getan werden: Studenten müssen Bücher wälzen, Skripte auswendig lernen und Mitschriften analysieren. Dazu kommen noch weitere Aufgaben außerhalb der Uni. Der Nebenjob wird immer wichtiger, die Eltern wollen natürlich über die Studienfortschritte informiert werden und man will ja auch noch was erleben. Zum Beispiel Kino, den Hobbys nachgehen, Essen gehen oder mal eine lange Samstagnacht; immerhin sind wir soziale Wesen und definieren uns durch unsere außerberuflichen Tätigkeiten. Größtenteils wird in der Vorlesungszeit jedoch gelernt.
Erst wenn die Klausuren vorbei sind, fällt der Leistungsdruck schlagartig ab. Die vorlesungsfreie Zeit, beziehungsweise die studentischen Ferien beginnen und das Lernen kann zurückgeschraubt werden. Zwar gilt es häufig Hausarbeiten zu schreiben und Studieninhalte zu wiederholen, doch ansonsten sind die Semesterferien eine angenehmere Zeit. Man hat mehr Platz für Freizeitaktivitäten, für seine Hobbys und für seine Freunde. Und das alles ohne einen einzigen Urlaubsantrag.
Was andere an den Studenten bemängeln ist eine durchdachte Sache. Denn anders als bei einer Arbeitsstelle enden die Aufgaben nicht mit dem Verlassen des Hörsaals. Hausaufgaben, freiwillige Bearbeitungen und natürlich das Lernen sind durchaus auch in den Semesterferien präsent, wenn auch nicht omnipräsent. Das man dazu noch viel Freizeit hat, ist nur gerecht. Die Semesterferien dienen zudem als Bruch, denn mit jedem Semester müssen neue Kurse gewählt werden und die Themenschwerpunkte ändern sich. Für die Zwischenzeit ermöglichen die Semesterferien eine Zeit der Entspannung um den Kopf frei zu bekommen und sich dann auf die neuen Aufgaben zu konzentrieren.
Das Studium lebt von der freien Zeit.Von der Zeit außerhalb des Arbeitens. Als letzte Bastion vor der rauen, zielorientierten Gesellschaft. Eine Insel der Selbstentscheidung in einer immer schneller werdenden Welt. Und irgendwann, wenn man in einem muffigem Büro feststeckt, vor einer anstrengenden Klasse steht oder vom Chef angebrüllt wird, dann wünscht man sich zurück. Zurück in die Zeit, in der man einfach nur im Gras liegen konnte um den Kopf frei zu bekommen.
Bild: aboutpixel.de © Ernst Holger März
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