Kein Interesse, was an der Uni los ist – Immer weniger Engagement in den Fachschaften
Die geringe Beteiligung bei den Wahlen der Studierendenvertretern an den Hochschulen wird seit Jahren beklagt und es finden sich auch immer weniger Studierende, die bereit sind Ämter für die Studierendenschaft an ihrer Uni zu übernehmen. An vielen Hochschulen sind die Zeiten, in denen sich Unabs, Jusos und die Linken untereinander im engagierten Wahlkampf die Stimmen abgegraben haben vorbei. Denn man ist froh, wenn sich überhaupt noch Studierende für Gremien und Ämter zur Verfügung stellen.
Wirklich verwunderlich, finden diejenigen Studenten, die noch im AStA, Senat oder Studierendenrat tätig sind. Denn hier ist doch eine der wenigen Möglichkeiten, auf die Gestaltung der Lehre und das Hochschulleben Einfluss zu nehmen. Während tagtäglich Tausende Studierende in der Anonymität der Uni untergehen, kann man als Mitglied eines universitären Gremiums aus dieser Anonymität heraustreten.
In den Fachschaftsvertretungen werden zum Beispiel Sportturniere geplant, Partys organisiert und Erstsemesterfahrten auf die Beine gestellt. Das kommt direkt den Studierenden zu Gute und fördert das studentische Gemeinschaftsgefühl. Des Weiteren sind Studierendenvertretungen besonders wichtig, wenn es um politische Belange geht. In vielen Bundesländern ging der Protest gegen Studiengebühren in erster Linie von den studentischen Gremien aus, die Podiumsdiskussionen organisierten, Flyer verteilten, Demonstrationen starteten und Unigebäude besetzten und so letztendlich zum Erfolg der Abschaffung der Gebühren in mehreren Bundesländern beitrugen. Auch auf Lehrveranstaltungen, Verteilung von finanziellen Mitteln und die Neubesetzung von Lehrkräften haben Studierendenvertreter im Senat teilweise Einfluss.
Alles in allem also eine sehr gute Sache. Doch an den Hochschulen geben erschreckenderweise bis zu 40 Prozent zu, dass sie die Arbeit der Fachschaften gar nicht interessieren würde. Hochschulpolitisches Desinteresse und eine wahrscheinlich durch die hohen Leistungsanforderung von Bachelor- und Masterstudiengängen reine Konzentration auf das inhaltliche Studium führen zu einem großen Mangel an Engagement in den Ehrenämtern der Hochschulen. Und auf die wenigen Verbliebenen kommt dadurch immer mehr Arbeit zu, die gerade von den Lehrenden nur selten honoriert wird. Es sind also die Idealisten, die in den Gremien verbleiben und sich neben Studium und Nebenjob Zeit freikämpfen, um sich um die studentischen Belange zu kümmern und sich mit den anderen Gremienmitgliedern zu besprechen. Gedankt wird es ihnen immerhin durch nette Kontakte, die dabei geknüpft werden und das Gefühl, seine Uni nicht nur zu besuchen, sondern auch etwas mitzugestalten. Meckern kann nämlich jeder, handeln scheinbar nur wenige. Und die bekommen dann auch noch das Desinteresse der Kommilitonen zu spüren. Wenn die Studiengebühren dann abgeschafft werden, sind komischerweise wieder alle froh…
Bild: pixelio.de © Sebastian Bernhard
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